Karate

Karate

Shudôkan bedeutet „Ort zum Erlernen (befolgen) des Weges“, ryu bedeutet „Stil“ und Karate-dô „Weg der leeren Hand“. Es ist eine Kampfkunst, die Ihre Wurzeln im alten China hat und aus Okinawa stammt. Dem Interessierten sei an dieser Stelle auf unsere Geschichtsseiten (Geschichte des Karate / Geschichte des Shudokan), verwiesen.

Im Gegensatz zu den meisten Karateschulen in Deutschland praktizieren wir kein Wettkampfkarate, sondern konzentrieren uns auf die gesundheitliche Seite und die Selbstverteidigung.

Diese Art des Karate ist für jeden geeignet und nicht an irgendwelche körperlichen Fähigkeiten gebunden. Sowohl 18jährige, als auch 60jährige können an unserem Training teilnehmen, da unsere Lehrer jeden individuell unterrichten. Aus diesem Grund kann jeder einzelne seine eigenen Schwerpunkte legen und soweit gehen, wie es für ihn gemäß ist.

Die Übungsprinzipien dieses Karatestils verwurzeln tief in der traditionellen chinesischen Medizin und dienen deswegen auch der Gesunderhaltung und Körperübung, bzw. -wahrnehmung. Die meisten modernen krankengymnastischen und sportmedizinischen Prinzipien lassen sich schon in diesen alten Übungen wiederfinden.

Als Anfänger wird man zuerst in den grundlegenden Techniken und den einfachen Kata (vorgeschriebener Bewegungsablauf im Raum) unterrichtet und schult so seine motorischen Fähigkeiten und stärkt seinen Körper. Man übt auch schon hier seine Techniken in Partnerübungen, zunächst allerdings ohne starken Körperkontakt, dieser wird erst mit dem jeweiligen Fortschritt des Schülers gesteigert.

Mit der Zeit erlernt man mehr Übungen und vertieft das bis dahin gelernte, wobei sich der Fortschritt bei regelmäßigem Training (wir empfehlen mindestens 2-mal in der Woche) von ganz alleine einstellt.

Die Fähigkeit zur Selbstverteidigung stellt sich auch, jedoch individuell verschieden, von ganz alleine ein, wobei dies nicht von heute auf morgen möglich ist, sondern mehrere Jahre des Trainings erfordert.

Für den weiteren Fortschritt muss man sich auch mit der Vitalpunktlehre, der Kraftübertragung, dem Qi-gong (Arbeit mit der vitalen Energie) und anderen Dingen beschäftigen. In diesem Rahmen bieten wir verschiedene Wochenenden an.

Der Dô-Aspekt (Dô ist die Weglehre) wird bei den fortgeschrittenen Schülern vertieft. Hier nimmt die Meditation einen wichtigen Platz ein.

Wettkampf

faustKarate ist für die meisten Menschen verbunden mit Wettkampf, so wie es Ihnen in diversen Filmen vorgegaukelt wird. In der Tat gibt es im Karate auch eine große Wettkampfszene, unterstützt durch die Dachverbände wie DKV, DJKB oder SKI. Hier wird meistens Karate auf Wettkampfbasis als Breitensport unterrichtet, nach den Prinzipien der modernen Sportwissenschaft.

Hierzu muss man allerdings anmerken, dass dies nicht der traditionelle Weg des Karateunterrichtes ist, denn vor Beginn des 20. Jahrhunderts war der Kampf zum sportlichen Vergleich im Karate gänzlich unbekannt. Die Techniken mussten nicht gut aussehen und in einem bestimmten Rhythmus ausgeführt werden, sondern sie sollten wirkungsvoll sein und den Gegner möglichst schnell kampfunfähig machen. Hierfür gab es ein hochentwickletes Nahkampfprogramm, das in den Kata verschlüsselt wurde. Erst durch die „Entschärfung“ des traditionellen Karate (Tode) durch Ankoh Itosu, der aus den alten Kata eine Gesundheitsgymnastik für Schulkinder entwickelte und nicht mehr die reale Kampfanwendung unterrichtete (siehe Geschichte des Karate), bestand die Möglichkeit des sportlichen Vergleichs ohne schwerwiegende Folgen.

Verbunden mit der in der „modernen“ Zeit aufgekommenden Idee der Leistungsideologie, trat diese Form des Karate ihren Siegeszug um die ganze Welt an. So wurde es dann auch Anfang der 60er in Deutschland eingeführt, in verschieden Verbänden organisiert und zum Breitensport gemacht.

Im Wettkampftraining wurde im Laufe der Zeit immer mehr nach „neuesten“ sportwissenschaftlichen Erkenntnissen unterrichtet und die traditionelle Unterichtsform vergessen. Begriffe wie Qi, Energiefluss, Meridiansystem, Kakie, Vitalpunktstimulation oder Meditation standen Mangels Kenntnisse der westlichen Trainer nicht in den Prüfungsordnungen und wurden somit auch nicht vermittelt.

Erst in neuerer Zeit beschäftigen sich wieder einige Lehrer mit den klassischen Unterrichtsmethoden und versuchen dem Karate wieder seine alte Form wiederzugeben, die es im Laufe seiner Versportlichung verloren hat. Diese Aspekte des Karates sind viel tiefgreifender und gehen über das normale Arbeitspensum, das ein Freizeitsportler in sein Hobby steckt, weit hinaus.

Weder die eine Form des Karate, noch die Andere ist besser, vielmehr sollten Sportkarate und traditionelles Karate nebeneinander in dem Bewusstsein existieren, dass sie die gleichen Wurzeln haben und sich nur unterschiedlich entwickelten, bzw. andere Schwerpunkte setzten. Deutlich wird dies auch an der Umbennung des alten okinawanischen Tode (Technik der Tang, gemeint sind die Chinesen) in Karate (leere Hand, oder aber auch, anders geschrieben, Hand aus China).

In diesem Sinne sollte jeder für sich „Sein“ Karate finden und das üben, wo er für sich glücklich wird.

Es gibt kein besseres oder schlechteres Karate, sondern schlicht und ergreifend nur Karate.

Geschichte des Karate

Die Geschichte des Karate lässt sich an vielen Stellen nur lückenhaft nachvollziehen. Teilweise ist man auf Mutmaßungen angewiesen, die vor dem jeweiligen historischen Kontext den meisten Sinn ergeben, letztlich aber nicht belegt sind.

Der Herkunftsort des Karate, Okinawa, ist Teil der Ryukyu-Inseln und war in vergangenen Jahrhunderten aufgrund der günstigen Lage zwischen Japan und dem chinesischen Festland einer der wichtigsten Handelsknotenpunkte der Region. Die okinawanische Kultur enthält daher auch Einflüsse aus Japan, China und Thailand.

Zur Zeit der chinesischen Tang Dynastie (618-907) florierte vor allem der Handel zwischen China und Okinawa. In Japan entwickelte sich das Interesse für chinesische Waren erst später während der Ming Dynastie (1368-1664), was die Handelskontakte zu Okinawa intensivierte. Von den drei Königreichen Hokuzan („Nördliche Berge“), Chūzan („Zentrale Berge“) und Nanzan („Südliche Berge“) erwies sich Chūzan als das stärkste. König Hashi einte die Insel Okinawa im Jahr 1429 erstmals und begründete die erste Shō-Dynastie, die von den chinesischen Machthabern der Ming-Dynastie anerkannt wurde und diesen Tribut entrichtete.

Nach der Niederlage des japanischen Shimazu-Clans gegen den Tokugawa-Clan im Jahr 1609 wurde den Shimazu erlaubt, auszuweichen und Okinawa zu besetzen. Aufgrund eines königlichen Befehls widersetzten sich die Einwohner den Invasoren nicht. Sie verloren zahlreiche Schätze und mussten fortan nicht nur China, sondern auch Japan Tribut leisten. Seitdem war Okinawa nie mehr unabhängig und wurde nach und nach immer stärker an Japan gebunden. Im Jahr 1872 wurde Okinawa zum „Han“ (Lehen) und 1879 schließlich zur japanischen Provinz erklärt.

Während der Tang-Ära bestanden auf Okinawa bereits lokale Traditionen des unbewaffneten Kampfes, die als „Tegumi“ (手組) bezeichnet werden, was übersetzt „greifende Hände” bedeutet. Der Karate-Lehrer Anko Itosu (1832 – 1916) hielt es für möglich, dass die traditionellen okinawanischen Tänze „Moikata“ eine Frühform des Tegumi darstellten. Mit den Handelsbeziehungen der Tang-Ära fand auch ein kultureller Austausch mit China statt. Dabei fanden chinesische Einflüsse ihren Weg in das Tegumi, das mutmaßlich seit dieser Zeit auch Tôde (唐手) „Hand der Tang” genannt wurde. Dabei ist zu beachten, dass „Tôde“ die Diktion der früheren okinawanischen Landessprache Uchinaguchi ist. Japanisch werden die Schriftzeichen „Karate” ausgesprochen und bedeuten übersetzt „Hand aus China“.

Im Jahr 1392 entsandte der chinesische Kaiser Zhu Yuanzhang zur Festigung der Beziehungen und zur weiteren Entwicklung der Insel 36 Familien aus Fujian nach Okinawa. Es ist davon auszugehen, dass zumindest einige Personen aus diesen Familien in den Kampfmethoden ihrer Heimat ausgebildet waren.

Das nächste einschneidende Ereignis in der Historie Okinawas war die bereits erwähnte Invasion der Shimazu im Jahr 1609. Einigen Angaben zufolge erließen die japanischen Eroberer ein Waffenverbot, aufgrund dessen auch waffenlose Kampfkünste nur noch heimlich geübt werden konnten. Dieses angebliche Verbot ist allerdings historisch nicht belegt. Der Historiker Mitsugu Sakihara legt in „A Brief History of Early Okinawa“ dar, dass dieser Annahme wahrscheinlich ein Übersetzungsfehler durch Ifa Fuyu zugrunde liegt, der eine Inschrift auf einem Monument zu Ehren König Sho Shins falsch interpretiert hat. Auf Okinawa regierte Erbadel, welcher – im Gegensatz zum Kriegeradel in Japan – keinerlei Waffen zur Untermauerung seiner Macht nutzen musste. Anko Asato verwies zudem darauf, dass die Regierung in der Hauptstadt Shuri die öffentliche Ausübung von „Bujutsu“ ausdrücklich gestattete.

Nichtsdestotrotz hatten die Shimazu einen bedeutsamen Einfluss auf die Kampfkünste Okinawas. Sie brachten ihre Schwertschule, das Jigen Ryu, nach Shuri. In diesem Zusammenhang zu erwähnen ist Togo Shigemasa (1604-1659), der zusätzlich für Personen, die nicht dem Stand der Samurai angehörten und daher kein Schwert führen durften, einen „Stocktanz“ (Bô Odori) einführte, bei dem Stöcke (Bô) und landwirtschaftliche Geräte zum Einsatz kamen, darunter: Rokushaku Bô, Sanshaku Bô, Tenbin Bô, Ro (Ruder), Shakuhachi (Flöte), Kama (Sichel), Ono (Axt), Suki (Hacke) und Kuwa (Spaten). Es ist anzunehmen, dass dies einer der Ursprünge des Kobudo ist, der bewaffneten Schwesterkunst des Karate. Anzumerken ist auch, dass die Methode der Makiwara-Übung (Schläge und Stöße gegen einen Holzpfahl) im Karate sowohl dem Tategi Uchi des Jigen Ryu, als auch den Übungen am Mu Ren Zhuang („Hölzerner-Mann-Pfahl“, 木人樁) in den chinesischen Künsten gleicht. Laut Anko Asato wurden zudem die Traditionen des Jigen Ryu spätestens seit dem Zeitpunkt um das Jahr 1700 herum durch Haebaru Oyakata auch an Okinawaner unterrichtet.

Die erste schriftliche Erwähnung des Karate ist in dem 1762 von Tobe Ryoen verfassten „Oshima Hikki“ (大島筆記) zu finden. Diese „Notizen von Oshima“ behandeln einen Schiffbruch nahe Tosa und erwähnen einen besonderen Immigranten: den Chinesen Koshankin, welcher als „Kumiaijutsu“ bezeichnete „Grifftechniken“ demonstrierte. Allerdings bleibt seine Person weitgehend im Dunkeln – so ist nicht einmal bekannt, ob Koshankin ein Name oder Titel ist. Sicher ist lediglich, dass eine der bedeutendsten Kata des Karate, die „Kushanku“ mit ihren zahlreichen Varianten (Chibana, Takemura, Shiho, Yara, Dai, Sho) auf ihn zurückgeht. Ein bekannter Schüler des Koshankin war Kanga „Tôde“ Sakugawa (1733-1815). Laut Bishop trainierte er 6 Jahre unter ihm und begann danach, Tôde am Hof in Shuri zu unterrichten. Berühmtester Schüler von Sakugawa ist der Offizier Matsumura „Bushi“ Sokon (1797-1889), der schließlich auch den „Menkyo Kaiden“ (höchster Grad der Meisterschaft) erlangte.

Spätestens seit diesem Zeitpunkt lassen sich zwei große Richtungen des Karate auf Okinawa beschreiben: Shorin Ryu in Shuri und Shorei Ryu in Naha. Während in Shuri der japanische Einfluss durch die Shimazu stark war, wurde Naha aufgrund des Handelshafens eher durch chinesische Einflüsse geprägt. Teilweise wird behauptet, das Shorin Ryu eher für dünne und schwache Personen, Shorei Ryu dagegen für große und kräftige geeignet sei. Diese Interpretation geht auf einen Bericht von Anko Asato zurück, der die Übungen der Mittelschüler in Shuri und Naha miteinander verglich. Letztlich dürfte dies jedoch wohl auf einer Fehleinschätzung beruhen, wie auch die Betrachtung heutiger Kata der Nachfolgelinien (Goju Ryu für Shorei, Shotokan für Shorin) zeigt. Dabei spricht Einiges dafür, dass in Shuri das Prinzip des Gamaku (Fallen des Zentrums) in den Vordergrund der Übung gestellt wurde, während in Naha der Schwerpunkt auf Chinkuchi (Halten der Struktur) lag. Möglicherweise liegen diesen Kategorisierungen aber auch Ungenauigkeiten in den Überlieferungen und Fehlinterpretationen zu Grunde und die Einteilung in Shorin Ryu/Shurite und Shorei Ryu/Nahate ist letztlich ohne inhaltliche Bedeutung.

Matsumura erhielt seine Ausbildung sowohl in der chinesisch, als auch in der japanisch beeinflussten Kampfkunst und vertiefte diese durch Reisen nach Fuzhou (China) und Satsuma (Japan). Das erklärt, warum er zum Stammvater vieler heutiger Karatestile wurde. Seine bekanntesten Schüler waren Anko Asato und Anko Itosu.

Asato war laut Funakoshi Experte nicht nur im Karate, sondern auch im Jigen Ryu, im Bogenschießen und der Reiterei. Allerdings ist außerhalb der Anekdoten, die Funakoshi über seinen Lehrer erzählte, nicht viel über Asato bekannt. Sein Einfluss auf das Shotokan Karate bleibt daher unklar.
 Über Anko Itosu ist mehr bekannt. Er führte an den Schulen Okinawas Karate als Unterrichtsfach ein. Um Grund- und Mittelschüler in großen Gruppen unterrichten zu können, musste er allerdings einige Änderungen vornehmen, die bis heute Nachwirkungen zeigen.
 Itosu standardisierte die Bewegungen in den Kata, gab ihnen einheitliche Namen und vereinfachte spezifische Anwendungen. Zur Schulung grundlegender Bewegungsmuster schuf er aus der heute unbekannten Kata Channan die Pinan-Serie (wahrscheinlich mit Einflüssen aus der Kushanku), das Kihon (Grundtechniken) und das Kihon Kumite (Partnerübung). Auf ihn sind auch die vereinfachten Interpretationen zurück zu führen, wonach ein „Gedan Barai“ (Blocktechnik vor dem Unterleib) nur dazu dient, einen „Mae Geri“ (gerade Tritttechnik) abzuwehren und ein „Oi Tsuki Chudan“ nur einen Fauststoß zum Solar Plexus darstellt.

Diese Übungsformen haben sich anschließend so verbreitet, dass sie heutzutage als „traditionelles Karate“ angesehen werden, obwohl sie eigentlich nur die unterste Stufe der Ausbildung für Kinder darstellten. Zur weiteren Ausbreitung dieser Art des Karate trug der gemeinsame Schüler Asatos und Itosus, Gichin Funakoshi bei, der als eine der ersten Personen in den 1920er Jahren auf den japanischen Hauptinseln Karate unterrichtete. Unterstützt wurde er dabei vom Begründer des Judo, Jigoro Kano. Dieser setzte sich insbesondere in der Dai Nippon Butoku Kai (japanischer Kampfkünsteverband) für die Anerkennung des Karate ein. Eine Folge dieser Entwicklung sind noch stärker vereinfachte Formen und die Einführung des Kyu-Dan Systems mit farbigen Gürteln für unterschiedliche Graduierungen. Beides zeigt seinen Nutzen im Unterricht großer Gruppen und so überrascht es nicht, dass Funakoshis Shotokan Schule sich heute als weltweit am meisten verbreiteter Karatestil betrachten kann. Allerdings beklagte auch er bereits zu Lebzeiten eine Verflachung der Kampfkunst.

Der nach dem Shotokan verbreitetste Stil ist wohl das Goju Ryu von Chojun Miyagi. In Naha geboren, lernte dieser bei Higaonna Kanryo (nicht zu verwechseln mit seinem Bruder „Higaonna Ost“ Kanryu), welcher seinerseits direkt in Fuzhou ausgebildet wurde. Er hatte weitere namhafte Lehrer (Arakaki, Iwah, Wai Xinxian, Ru Ru Ko) und lernte nach Higaonna Kanryos Tod direkt in Fujian; Näheres ist nicht bekannt. Allerdings liegt eine Ausbildung im südlichen Shaolin oder „Weißen Kranich“ nahe, da er die Rokkishu („Sechs Hände“) erlernte und in einer Kata für das Karate formalisierte: Tensho. Miyagi unterrichtete seit 1905 auf Okinawa – ähnlich wie Itosu – Karate an Schulen.

Funakoshi und Miyagi waren nicht die einzigen, die später Karate in Japan unterrichteten. Im Zuge der bereits angesprochenen Anerkennung durch die Dai Nippon Butokukai fand am 25. Oktober 1936 in Naha ein Treffen einiger namhafter Lehrer dieser Zeit statt: Chomo Hanashiro, Chotoku Kyan, Choki Motobu, Chojun Miyagi, Juhatsu Kyoda, Choshin Chibana, Shinpan Shiroma, Chotei Oroku, Genwa Nakasone. Dabei wurde beschlossen, im Zuge der Anerkennung auf den japanischen Hauptinseln die Kanji (Schriftzeichen) für Karate von 唐手 in 空手 zu ändern. Damit wandelte sich die Bedeutung von „Tang“ (唐, China) in „Kara“ (空, leer) und der „Weg der leeren Hand“ (空手道) entstand. Diese politische Entscheidung zum Namenswechsel wurde von Funakoshi aufgegriffen, der die Namen der Kata in seiner Schule anpasste (Pinan – Heian, Kushanku – Kanku, Passai – Bassai, Naifanchi – Tekki, etc.). Warum er beim Treffen ebenso wie Chitose Tsuyoshi, Kenwa Mabuni und Kanken Toyama nicht anwesend war, ist unbekannt.


Toyama ist der Begründer des Shudokan. Er lernte bei einer Reihe verschiedener Meister: Anko Itosu, Anko Asato, Itarashiki, Arakaki, Choshin Chibana, Oshiro, Tana, Yabu Kentsu und Higaonna Kanryo. Nach dieser gründlichen Ausbildung zog er im Alter von 36 Jahren nach Taiwan, wo er die dortigen Kampfkünste für sechs Jahre studierte, bevor er 1930 schließlich nach Japan zurückkehrte und in Tokyo sein Dojo „Shudokan“ („Ort zum Studium des Weges“, 修道館) eröffnete. Aufgrund seiner Verdienste um die Kampfkünste erhielt er 19 Jahre danach von der japanischen Regierung den Titel Meijin („vollendeter Mensch“) und das Recht zugesprochen, jegliche Graduierung in jedem Karatestil zu vergeben. Das er von diesem Recht Gebrauch machte, mag daran liegen, dass Toyama die Einteilung in unterschiedliche Stile nicht unterstützte.

Auch wenn im Karate immer der Kampf geübt wurde, das heißt das Verletzen und gegebenenfalls auch das Töten eines Gegners, stellt die Zeit des Zweiten Weltkrieges ein besonders düsteres Kapitel in der Geschichte des Karate dar. Auch einige namhafte Lehrer haben sich durch menschenverachtende Ausbildungsmethoden und die Tötung Wehrloser schuldig gemacht. Die Entwicklung des Karate zu einer verbreiteten Wettkampfsportart in der Nachkriegszeit dürfte auch durch das Bestreben zu interpretieren sein, nach den Schrecken des Krieges den Kampf auf Leben und Tod durch einen – mehr oder weniger – friedlichen Wettstreit zu ersetzen.

Zusammenfassend lassen sich in der Geschichte des okinawanischen Karate einige Parallelen und Zusammenhänge finden, die auf starke Wurzeln in den chinesischen Kampfkünsten schließen lassen. Die frühen japanischen Einflüsse sind wohl auf das Jigen Ryu beschränkt, während das Karate im Japan des 20. Jahrhunderts stark verändert und jeweils verschiedenen politischen/gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst wurde.
 Die Unterschiedlichkeit der Stilrichtungen und Formen des heutigen Karate erweckt bei oberflächlicher Betrachtung den Eindruck, als handele sich um unterschiedliche Kampfkünste bzw. Kampfsportarten. Tatsächlich ist letztlich unerheblich, dass die Techniken und Formen der einzelnen Karatestile von einander abweichen. Entscheidend kommt es vielmehr darauf an, mit welcher inneren Haltung und Wahrnehmung eine Bewegung ausgeführt wird. In diesem Punkt ist Toyama Recht zu geben – laut ihm gab bzw. gibt es nur ein Karate.

Quellen:

Bishop, M. (1999), Okinawan Karate: Teachers, Styles and Secret Techniques


Funakoshi, G. (o. D.), Karate-Do Mein Weg (unbekannter Übersetzer)


Kerr, G. (2000), Okinawa: The History of an Island People


Miyagi, C. (1936), Historical Outline Of Karate-do, Martial Arts of Ryukyu (Zinsoo, S., Trans.). Retrieved March 2010, from http://www.fightingarts.com


Miyagi, C., At The Meeting In 1936 (Zinsoo, S., Trans.). Retrieved March 2010, from http://seinenkai.com


Wittwer, H. (2007), Shotokan – überlieferte Texte & historische Untersuchungen

Kata

KataIn den Kata (jap.: Form, Gestalt) werden verschiedene Bewegungen nach einem genau festgelegten Muster hintereinander ausgeführt. Diese Bewegungen schulen in erster Linie die motorischen und physischen Fähigkeiten des Körpers. Auf einer anderen Ebene dient die Kata jedoch auch der Übung des Weges (Do) und damit der psychischen Schulung innerhalb des Karate, dies soll hier allerdings nicht das Thema sein.

Das Trainingskonzept der Kata ist Jahrtausende alt und wurde schon von den Chinesen angewandt. Die dortigen Formen werden Dao genannt.

Eine der ersten Dao war wahrscheinlich „Die Kunst der Fünf Tiere“ von Hua Tuo (190-265 n. Chr.), (siehe chin. Ursprünge) wobei sie nicht als Kampfform gedacht war, sondern als eine Gesundheitsgymnastik diente. Hier sieht man schon, dass durch die jeweiligen Formen eine Schulung des Körpers erfolgen sollte, die zur Gesunderhaltung diente.

Im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass man durch das Trainieren der Dao einen physischen Zustand erreichen konnte, der einen befähigte, sich effektiver gegen einen Angreifer verteidigen zu können.

Allmählich wurden die Dao durch verschiedene existierende Kampfkonzepte erweitert, so dass man jetzt nicht nur den Körper und die Gesundheit schulte, sondern auch durch den Einsatz der Bewegungen im Kampf gleichzeitig verschiedene Arten von Blöcken, Schlägen, Würfen und Hebeln trainierte.

Im Laufe der Jahre entwickelten sich in China unzählige verschiedene Formen, die, mehr oder weniger, fast alle Kampfkünste im asiatischen Raum beeinflussten.

Für das okinawanische Karate ist insbesondere der Weiße-Kranich-Stil interessant, der in der Region um Fukien auf dem chinesischen Festland geübt wurde, sowie die chinesischen Kampfkünste Xingyiquan, Luohanquan und Hequan. Im Laufe der Jahrhunderte nahmen diese Stile immer wieder Einfluss auf die okinawanischen Kampfkünste (siehe Geschichte des Karate), und verbreiteten so Ihre Kampfprinzipien und ihre Gesundheitslehre.

Durch das Training der Kata schult man also seinen Körper für bestimmte Bewegungsabläufe, so dass diese bei Bedarf völlig unbewusst abgerufen werden können und in einem Block, Schlag, Wurf oder Hebel enden.

Um die einzelnen Bewegungen verstehen zu können, gehört zu jedem Karatetraining die Interpretation der Katabewegung für eine bestimmte Kampfsituation, wobei eine einzelne Bewegung eine Vielzahl von unterschiedlichen Interpretationen zulässt. Diese Trainingsmethode nennt man Bunkai. In jeder einzelnen Bewegung der Kata sind unterschiedliche Kampfkonzepte für die verschiedenen Kampfdistanzen enthalten.

Zur erweiterten Schulung der Nahdistanz gibt es sowohl in China, als auch auf Okinawa, das Prinzip der „klebenden Hände“ (jap. Kakie, chin. Tuishou, kantonesisch Chisao), in dem die Bewegungen und Konzepte der Kata am Partner geübt werden.

Im Zuge der Verbreitung des Karate wurde das alte Trainingskonzept der Meister (Die Übung der Kata mit entsprechendem Bunkai, das Kakie-Training sowie die Übung mit verschiedenen Geräten zur Stärkung des Körpers, quasi der Vorläufer des Bodybuildings) verlassen und die so genannte Grundschule (Kihon) wurde eingeführt.

Man vereinfachte die Bewegungen der Kata und nahm einfach eine bestimmte Bewegung heraus, standardisierte sie zu einem Block, oder Angriff, und gab Ihr einen Namen, z.B. Gedan Barai. Durch dieses Kihon System konnten die Lehrer nun schnell einer großen Masse Schüler bestimmte Bewegungen beibringen. Dabei blieben jedoch die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten dieser Bewegung, die sich teilweise nur aus dem Zusammenhang der Bewegung in der Kata ergeben, auf der Strecke.

Als nächstes kam es zur Entwicklung der Partnerübungen aus dem Kihon wobei die vorgegebene Anwendung der Bewegung am Partner geübt wurde. Das Kihon Ippon Kumite war geboren.

Auf Grund des Karatetrainings an den japanischen Hochschulen und Universitäten wurde schon bald der Ruf nach sportlichen Vergleich der einzelnen Karateclubs laut. Die neue Generation der Karateka wollte Ihre kämpferischen Fähigkeiten testen und so kam es zur Entstehung des Wettkampfkarates, das jedoch meistens nur auf dem neuen Trainingskonzept, bestehend aus Kihon, Kata und Kumite (jap. Partnerübung) bestand. Diese neue Generation hatte keine Ahnung von den Prinzipien des Qi-gong und der Vitalpunktstimulation, die in den Kata verschlüsselt sind. Dies führte dazu, dass sich nun ein seiner Wurzeln beraubtes Karate in der Welt verbreitete, was sehr schön an der Bedeutung des Namens Karate zu sehen ist: Früher nannte man diese Kunst auf Okinawa Tode, was „Hand der Tang“ (gemeint sind die Chinesen) bedeutet. Das ursprüngliche Schriftzeichen für Karate bedeutete somit auch „Hand aus China“ und wurde erst im Rahmen des japanischen Imperialismus in „Leere Hand“ geändert und erhielt eine philosophische Bedeutung im Rahmen der Weglehre (Do). In gewisser Weise hatte dies jedoch auch seine reale Berechtigung, da die Techniken wirklich „leer“ waren!

Ist man sich dieser Entwicklung der Kata bewusst, kann man verstehen, warum die Kata als das Herz und die Seele des alten okinawanischen Karate bezeichnet wird. Durch das Training der immer gleichen Bewegungen, stärke ich meinen Körper, harmonisiere den Energiefluss in Ihm, und übe Bewegungsmuster, die ich bei Bedarf in einem Kampf als Schlag oder Block auf bestimmte Vitalpunkte einsetze, oder mit denen ich den Angreifer werfe oder hebele. Das Training der Bunkai, inklusive Kakie, rundet letztendlich das Karatetraining ab. Ergänzend zum Katatraining bieten sich verschiedene Qi-gong Übungen an.

Chinesische Ursprünge

Frühe Kampftechniken

Der erste schriftliche Hinweis auf eine chinesische Kampfmethode geht in das Jahr 2600 v. Chr. zurück und stammt von dem legendären gelben Kaiser Huangdi, der eine gewonnene Schlacht dem Jiaodi zuschreibt, allerdings bleibt unklar, um welche Art der Kampfkunst es sich bei dem Jiaodi handelt. Die Überlieferungen von kämpferischen Techniken aus dem alten China beschäftigen sich zumeist mit einer Art des Ringens, dem Xiangpu, das sich später in Techniken des Kampfes mit der Faust und des Ringens teilte und zur Ausbildung von Soldaten benutzt wurde. Während sich im Militär hauptsächlich die körperliche Kampfkunst entwickelte, entstand in den religiösen Strömungen des Daoismus eine philosophische Richtung, die die Kampfkünste bald ergänzen sollte. Auch der Buddhismus sorgte ab dem 6. Jh. n. Chr. für eine stark esoterische Prägung.

Die daoistischen Elemente

schaleIm Daoismus wurde schon früh die Arbeit mit der vitalen Energie (chin. Qi) kultiviert, um die Lebenskraft zu stärken und sich so ein langes Leben zu ermöglichen. Auch die Wurzel der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) beruhen auf der daoistischen Philosophie des Dao, Ying und Yang und der Lehre der fünf Elemente. Die TCM reicht weit in das 2. Jahrtausend v. Chr. zurück und beschäftigt sich mit der Kräuterheilkunde und der Akupunktur, um Blockaden in den Leitbahnen zu lösen und somit den Qi-Fluss in den Leitbahnen zu regulieren. So fremd diese Begriffe heute für uns klingen mögen, damals konnte mit ihnen jedes Kind etwas anfangen. Die Lehre vom Qi und die Arbeit damit, war für die damaligen Menschen so selbstverständlich, wie es die Lehre des Christentums heute bei uns in Europa ist.

Die Kultivierung der vitalen Energie (Qi-gong) mittels Atmung, vitalpunktstimulierender Gymnastik und Diät reicht bis in das zweite Jahrtausend vor Christus zurück und wurde seitdem beständig verfeinert: Die chinesische Gesundheitsgymnastik der „Kunst der fünf Tiere“ (Wuqinxi) wurde von dem chinesischen Arzt Hua Tuo (190 – 265 n. Chr.) gegründet und bildet auch heute noch die Grundlage der bewegungstherapeutischen Prinzipien innerhalb der TCM. Zu diesem Zweck studierte Hua Tuo die Bewegungen von Tiger, Vogel, Hirsch, Bär und Affe und verband sie mit dem bestehendem, zweitausend Jahre alten System. Heraus kam eine Gymnastik, die, so Hua Tuo, den Körper nicht bis zur Erschöpfung fordert, sondern dazu bestimmt ist, den schlechten Geist aus dem Körper zu vertreiben, den Blutkreislauf zu fördern und Leiden zu verhüten. Hua Tuo wörtlich: „Die Türschwelle, die regelmäßig entsprechend ihrer Bestimmung benutzt wird, wird niemals vermodern. Genauso ist es mit dem menschlichen Körper. Ich habe mein eigenes Übungssystem, das den Namen trägt ‚Kunst der fünf Tiere‘. In ihm werden die Bewegungen des Tigers, des Hirsches, des Bären, des Affen und des Vogels verwendet. Dieses System heilt Krankheiten, kräftigt die Beine und erhält für lange Zeit die Gesundheit. Es besteht aus Sprüngen, Beugungen, Schwüngen, Kriechen, Drehungen und Muskelkontraktionen durch Anspannung.“

Einige bestimmte Formen des Daoismus, die, die Unsterblichkeit zum Ziel hatten, fast man unter dem Begriff „religiöser Daoismus“ zusammen. Sie benutzeten Übungen, die auf Meditation, sexuellen und alchimistischen Praktiken, sowie Gymnastik und Atemübungen, beruhten. Die Philosophie des Laozi (auch Laotse, 4 Jh. V. Chr.) bildete die Grundlage des religiösen Daoismus, der sich schnell mit dem bestehendem daoistischen Volkskult verband und so eine große Verbreitung fand. Da die religiösen Daoisten an eine Insel im Osten glaubten, wo der Pilz der Unsterblichkeit wachsen sollte, schickten sie ein Vielzahl an Expeditionen los, um nach ihm zu suchen. Einiges spricht dafür, dass ein paar dieser Expeditionen bei Ihrer Suche nach Okinawa gelangt sind und dort schon früh daoistisches Gedankengut verbreitet haben, was bei der späteren Integration der chinesischen Kampfkünste in das bestehende Te noch einmal wichtig werden sollte.

Wann genau es zu der Verschmelzung der vorhandenen militärischen Kampfkünste mit dem Daoismus gekommen ist, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Die daoistischen Kampfkunstexperten erweiterten die „Kunst der Fünf Tiere“ um kämpferische und taktische Prinzipien der jeweiligen Tiere. Diese Bewegungsformen bilden die Grundlage für die heutigen Kata.

Es kam also zu einer Verbindung der körperlichen Kampfkunst, der esoterischen Lehre des Daoismus und dem Wissen der chinesischen Medizin. Hier wird die Grundlage der inneren Systeme der chinesischen Kampfkünste gesehen.

Die buddhistischen Einflüsse

kreuz_buddhaUngefähr im 6. Jh. n. Chr. gelangten mehrer indische Mönche in das damalige China, um den Zen- (chin. Chan) Buddhismus zu verbreiten. Einer dieser Mönche mit Namen Damo oder auch Bodhidharma, so die Legende, kam in das Kloster von Shaolin, um dort zu lehren. Er brachte die Kunst des Vajramushti, eine Kampfkunst, die ca. im 11. Jh. v. Chr. in Indien entstand, mit. Diese Mönch lehrte seine Schüler, dass Körper und Geist untrennbar miteinander verbunden sind und deren Einheit zur Erlangung der Erleuchtung gestärkt werden müsse. Zu diesem Zweck entwickelte er verschiedene Übungen, die zum einen den Körper stärkten und beweglicher machten (Yijinjing) und zum anderen das Qi-gong und die Meditation miteinander verbanden (Xisuijing). Hierbei wurde er mit Sicherheit von dem bestehenden daoistischen System beeinflusst. Schon sehr bald zeigte sich, dass die Mönche durch ihre Meditation und ihre Übungen anderen Menschen in Bezug auf Stärke, innerer Energie und Intuition überlegen waren. In gefährlichen Zeiten wie damals wurden ganz selbstverständlich auch Kampftechniken in die Übungen integriert, da man auf den damaligen Strassen nicht sicher war, Überfälle und Mord waren an der Tagesordnung. So kam es, dass die kämpferischen Aspekte der Übungen betont wurden und es entstand eine Kombination aus Qi-gong und Kampfübungen, die unter dem Namen „18 Hände der Buddha Schüler“ (Shiba Luohanshou) bekannt wurde und die als die Grundlage der äußeren Systeme der chinesischen Kampfkünste gesehen wird. Es kam also zu einer Kombination aus Meditation, Qi-gong und Kampftechniken. Der neue Aspekt war der, dass man jetzt nicht nur versuchte positive Energie im eigenen Körper zu akkumulieren, sondern auch negative Energie auf den Gegner zu übertragen. Gleichzeitig wurden zu dieser Zeit die ersten Regeln für Kampfkunstübende erstellt, die sich mit der geistigen Haltung und Entwicklung des Übenden befasste. Das Prinzip dieser Regeln hat sich bis heute in den traditionellen Karateschulen als Dojokun erhalten.

Chinesische Medizin

hugoIm 16 Jh. wurde ein junger Mönch, ein Meister der Shiba Luohanshou, Zeuge, wie ein alter Mann einen Angreifer durch Druck einer bestimmten Körperstelle außer Gefecht setzte. Dieser alte Mann war ein chinesischer Arzt, der sein Wissen um die negative Stimulierung der Vitalpunkte zur Selbstverteidigung einsetzte. Beeindruckt von diesem Können, sprach der Mönch den Arzt an und gemeinsam entwickelten sie, zusammen mit einem weiteren Kampfkunstexperten, ein neues System, dass aus Techniken der Shiba Luohanshou, Elementen des „Spiel der fünf Tiere“, Halte- und Kontrollübungen (Qinna) und den Übungen der klebenden Hände (Tuishou, bzw. Kakie), die Kontroll-, Greif- und Schlagtechniken zu Vitalpunkten beinhalteten, bestand. So entstanden 170 Techniken, die nach verschiedenen Tieren eingeteilt wurden.

Obwohl dies alles nur eine sagenhafte Erzählung ist, für die die geschichtlichen Beweise fehlen, könnte es sich doch so, oder so ähnlich abgespielt haben, da die früheren Meister der Kampfkünste in den Klöstern eine umfassende Ausbildung erhielten, die auch die traditionelle chinesische Medizin beinhaltete. Fest steht lediglich, dass die Prinzipien der Akupunktur und Akupressur in die chinensischen Kampfkünste integriert wurden.

Im Laufe der Zeit kam es dann zu einer Aufsplittung in eine große Vielzahl weiterer Stile und Auffassungen, wobei für die Entwicklung des Karate wichtig zu wissen ist, dass sowohl die daoistische Richtung, über das Xingchiyuan, als auch die buddhistische Richtung, über das Baihequan, Einfluss auf die Entwicklung auf Okinawa genommen haben, wobei mit Sicherheit auch die anderen chinesischen Stile, z.B. das Luohanquan (Arhat-Boxen), die von chinesische Gesandten nach Okinawa gebracht wurden, eine Rolle gespielt haben.

Dojokun

dojokunKarate-Do ist meine Übung auf dem Weg

Als Schüler-in des Shudokan-Ryu Karate-Do lebe und erforsche ich diesen Weg der alltäglichen Übung wachsam und neugierig, um meine körperlichen, geistigen und seelischen Möglichkeiten zu entfalten, sie sorgsam zu pflegen und ihren harmonischen Einklang zu fördern. Dabei sollen mich leiten und erfüllen:

  • Achtung vor dem, was ich selbst bin
  • Ehrfurcht vor allem Leben
  • Liebe und Vergebung
  • Dienen und Teilen
  • Demut und Geduld

Ich lebe und handele im Geist des Friedens

das Wissen und Können, das ich mir während des Studiums des Karate-Do aneigne, verspreche ich nicht für eigennützige Zwecke zu mißbrauchen. Ich verzichte auf Gewalt! Nur im äußersten Notfall setze ich Karate zum Schutz von Hilfsbedürftigen oder zur Selbstverteidigung ein. Ich kämpfe nicht mehr gegen … , ich setze mich mutig auseinander mit … und setze mich entschieden ein für … !

Freiheit und Frieden erwachsen aus meinem Mut zur Wahrheit

Mein Mut zur wahrhaftigen und hinnehmenden Achtsamkeit im nur-Hier-und-Jetzt, befreit mich von meiner Ich-Verhaftung und öffnet mir Herz und Geist für das leere GewahrSein, – für mein Wahres-Selbst.

Ein Bild zu unseren Leitgedanken und die Frage:

In einer weiten Landschaft liegt ein Fluss. Er strömt von Horizont zu Horizont.
Dieser Fluss entspringt einer Quelle und ergießt sich ins Meer.
Auf dem Fluss schwimmen verschiedene Boote: große, kleine, offene, geschlossene, bewaffnete, friedliche, …
Zwischen den Booten springt ruhelos und angestrengt eine kleine Person hin und her.
Diese Person bleibt in keinem der Boote sehr lange – sie springt und springt.
Der Fluss, der all diese Boote trägt, ist das „Wahre-Selbst“, – die Boote sind
Empfindungen, Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken, Absichten, Ziele, Erwartungen, Verhaftungen, …
Die Boote schwimmen auf dem Fluss, gehören zu ihm, sind aber nicht der Fluss.
Die kleine Person ist unser „Ich“. Die Quelle und das Meer sind „die Macht, die größer ist als ich selbst“, sind das „GÖTTLICHE“, sind das „ABSOLUTE GEHEIMNIS“, dass das „Wahre-Selbst“ hervorbringt, trägt und in seine wesentliche Dynamik bringt.

Immer fährt unser „Ich“ in einem der Boote; es ist sehr wasserscheu und hat Angst davor, ertrinken zu müssen, wenn es die vertrauten Boote verlässt und in den Fluss springt. „Öffnen von Herz und Geist für das leere GewahrSein, – für mein Wahres-Selbst“ heißt: mutig aussteigen aus dem vermeintlich sicheren Boot, in den Fluss springen und sich dem Fluss überlassen, fließen als der Fluss, der man immer schon war, nur-Hier-und-Jetzt ist, immer sein wird, – von der Quelle zum Meer.

Und nun, – frage und erforsche bei Tag und bei Nacht, – bei allem was Du tust und lässt:
Wer bin ich, – nicht?? Wer ist es, der eigentlich sieht, hört, riecht, schmeckt, berührt, fühlt, denkt will, redet und handelt ??
Was ist mein ureigentliches Wesen, – mein „Wahres-Selbst“??