Wettkampf

faustKarate ist für die meisten Menschen verbunden mit Wettkampf, so wie es Ihnen in diversen Filmen vorgegaukelt wird. In der Tat gibt es im Karate auch eine große Wettkampfszene, unterstützt durch die Dachverbände wie DKV, DJKB oder SKI. Hier wird meistens Karate auf Wettkampfbasis als Breitensport unterrichtet, nach den Prinzipien der modernen Sportwissenschaft.

Hierzu muss man allerdings anmerken, dass dies nicht der traditionelle Weg des Karateunterrichtes ist, denn vor Beginn des 20. Jahrhunderts war der Kampf zum sportlichen Vergleich im Karate gänzlich unbekannt. Die Techniken mussten nicht gut aussehen und in einem bestimmten Rhythmus ausgeführt werden, sondern sie sollten wirkungsvoll sein und den Gegner möglichst schnell kampfunfähig machen. Hierfür gab es ein hochentwickletes Nahkampfprogramm, das in den Kata verschlüsselt wurde. Erst durch die „Entschärfung“ des traditionellen Karate (Tode) durch Ankoh Itosu, der aus den alten Kata eine Gesundheitsgymnastik für Schulkinder entwickelte und nicht mehr die reale Kampfanwendung unterrichtete (siehe Geschichte des Karate), bestand die Möglichkeit des sportlichen Vergleichs ohne schwerwiegende Folgen.

Verbunden mit der in der „modernen“ Zeit aufgekommenden Idee der Leistungsideologie, trat diese Form des Karate ihren Siegeszug um die ganze Welt an. So wurde es dann auch Anfang der 60er in Deutschland eingeführt, in verschieden Verbänden organisiert und zum Breitensport gemacht.

Im Wettkampftraining wurde im Laufe der Zeit immer mehr nach „neuesten“ sportwissenschaftlichen Erkenntnissen unterrichtet und die traditionelle Unterichtsform vergessen. Begriffe wie Qi, Energiefluss, Meridiansystem, Kakie, Vitalpunktstimulation oder Meditation standen Mangels Kenntnisse der westlichen Trainer nicht in den Prüfungsordnungen und wurden somit auch nicht vermittelt.

Erst in neuerer Zeit beschäftigen sich wieder einige Lehrer mit den klassischen Unterrichtsmethoden und versuchen dem Karate wieder seine alte Form wiederzugeben, die es im Laufe seiner Versportlichung verloren hat. Diese Aspekte des Karates sind viel tiefgreifender und gehen über das normale Arbeitspensum, das ein Freizeitsportler in sein Hobby steckt, weit hinaus.

Weder die eine Form des Karate, noch die Andere ist besser, vielmehr sollten Sportkarate und traditionelles Karate nebeneinander in dem Bewusstsein existieren, dass sie die gleichen Wurzeln haben und sich nur unterschiedlich entwickelten, bzw. andere Schwerpunkte setzten. Deutlich wird dies auch an der Umbennung des alten okinawanischen Tode (Technik der Tang, gemeint sind die Chinesen) in Karate (leere Hand, oder aber auch, anders geschrieben, Hand aus China).

In diesem Sinne sollte jeder für sich „Sein“ Karate finden und das üben, wo er für sich glücklich wird.

Es gibt kein besseres oder schlechteres Karate, sondern schlicht und ergreifend nur Karate.